Zu Padre Benedikt,

dem Gründer und Leiter der auf diesen Seiten aufgeführten Hilfsprojekte.


CIMG0131Zugehörig zu dem Abschlussjahrgang 1989 besuchte ich die St. Ursula-Schule in Hannover und wurde wesentlich durch den Geist und das Ethos dieses besonderen Gymnasiums geprägt. Mein Lebensziel Priester zu werden entwickelte sich in der 11./12.Klasse. Die Identifikation mit den Untersten, den Hilflosesten war für mich von Beginn an eine der Bedingungen Priester-werden.

Nach beendigter Zivildienstzeit reiste ich nach Brasilien, um in der „Fazenda da Esperança“, ein Zentrum für drogenabhängige Jugendliche und junge Erwachsene, zu arbeiten. Von einem Tag auf den anderen – ohne Vorbereitung – wurde ich mit der Leitung eines Hauses für drogenabhängige Erwachsene betraut. Ein harter Brocken!

Nach einem halben Jahr, reiste ich nach Sao Paulo und arbeitete dort in einer Einrichtung für aidskranke, sterbende Menschen. Es war eine sehr interessante Erfahrung mit unvorstellbarem Leid und grenzenloser Verlassenheit konfrontiert zu werden. Junge Menschen jeden Alters auf zerschlissenen Holzpritschen, mit Lumpen zugedeckt, abgemagert und ausgezehrt zum Skelett, hilflos dem langsamen Sterben ausgeliefert. Ich musste die Sterbenden vollständig pflegen, d.h. waschen, füttern, wickeln, soweit das alles noch ging. Und war für sie da bis zum Ende.

unter de U BahnWährend dieser Zeit der Findung und Festigung seiner Priesterberufung ereignete sich die für meinen weiteren Weg die entscheidende Begegnung mit den Straßenkindern Sao Paulos.

Seit dieser Begegnung wusste ich, dass mein Einsatz und seine Hingabe als Priester besonders den Straßenkindern gelten würde. Und so kam es zu einer denkwürdigen Begegnung:

Ich stand vor einer Imbissbude und kaut an einem Hamburger. Er ist plötzlich umringt von Straßenkindern, die jeden Biss gierig verfolgen und mitkauten. Normalerweise jagen die Brasilianer die Kinder weg oder holen die Polizei.

Ich spürte die Not und den Hunger dieser Kinder, und statt sie wegzujagen nahm ich sie mit in die Imbissbude und bezahlte ihnen ein Essen – gegen alle Proteste des Wirtes und der anwesenden Gäste.

Gruppe vor dem Haus IIDiese Kinder gehörten zu einer großen Bande in der City von Sao Paulo. Sie nahmen mich mit und luden mich ein, die Mitglieder ihrer Bande kennenzulernen. Ich lernte die Lebensumstände dieser Bande kennen und begleitete sie ab dieser Zeit. Die Kinder lebten unter den Straßenbrücken von Sao Paulo, ein hochgefährliches Gemisch aus Kriminalität, Drogen und Tod.

Diese Eindrücke prägten mich entscheidend. Ich beschloss, in Brasilien Theologie zu studieren und wurde Priester. Noch während seines Studiums in Recife gründete er das erste Heim für Straßenkinder, das mit Hilfe deutscher Spender unterhalten werden konnte.

Die Sorge um die Armen der Gesellschaft wurde zu einer meiner zentralen pastoralen Aufgaben als Priester. So passt es, dass ich - zusätzlich zur Leitung und Koordinierung der Straßenkinderprojekte - heute in Craibas, einer der ärmsten Gemeinden von Alagoas als Priester arbeitet.

 


Die folgenden Bildern zeigen die Geschichte der Entwicklung meiner Arbeit in Brasilien

und geben ein Bild über meine Eindrücke und Erlebnisse .

 

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In São Paulo habe ich 1 Jahr auf den Straßen und in den Elendsvierteln gearbeitet wo ich mit der grausamen Realität ständig konfrontiert wurde. Ich begleitete die Kinder auf den Straßen um sie in die Familien zurückzuführen, sie in Schulen anzumelden und je nach Möglichkeit auch in den Familien noch zu begleiten. Viele Kinder und Jugendlichen haben es geschafft von den Straßen wieder zurück in ihre Familien zu gehen. Für die Anderen, die auf den Straßen geblieben sind hat, war das Leben von kurzer Dauer.

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Es war immer eine ganz besondere Freude. Wenn es mir gelungen war ein Kind zu seinen Eltern zurückzubringen. Manchmal war es ein langer Prozess der viel Geduld und wiederholte Versuche erforderte.

foto137Gruppe von Straßenkindern Sao Paulo

Unter Brücken und in den Lüftungsschächten der U-Bahn habe ich oft ganze Nächte verbracht um die Realität der Menschen kennenzulernen. Oft wurde ich Zeuge wie große Banden von bis zu 200 Kinder den Platz im Zentrum von Sao Paulo belagerten, in den Brunnen badeten und viele Leute, die aus den U-Bahnen herauskamen ausraubten.

 Ich war bei den meisten bekannt und konnte mich ohne Probleme bei allen Banden und Gruppen, die auf den Straßen lebten sehen lassen.

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Sie flüchten vor dem Hunger, der Aussichtslosigkeit und der Gewalt der Väter auf die Straßen und tauschen dabei das eine Elend gegen das andere aus.

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Und so treffen wir sie – einzelnen oder in Gruppen – auf den Straßen und Plätzen der großen Städte. Sie haben den Kontakt zu ihren Familien abgebrochen, besuchen keine Schule, verbringen die Tage herumstreunend auf der Straße und verkriechen sich nachts in die Hausecken der großen Kaufhäuser, liegen auf den Luftschächten, um sich vor der Kälte zu schützen, zugedeckt mit Papier und Lumpen, oder sie tauchen ab unter die Brücken und in die U-bahnschächt.

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Tausende von Kindern, die ständig auf der Straße leben, führen eine Existenz am Rande der Gesellschaft. Die totale Ausbeutung und völlige Ausweglosigkeit ist ihr Schicksal.

In der Abhängigkeit gewalttätiger Banden und gewissenloser Geschäftemacher ist ihr Leben nichts mehr wert. Das ist das „neue Leben“: Drogen, Kriminalität, Verbrechen, Prostitution.

Schlafen unter der Brücke

Sie betäuben ihre Angst, ihre Hilflosigkeit, ihre Schreie nach Liebe und Geborgenheit.

Straßenkinder werden missbraucht, gejagt. Sie sind Kinder ohne Herkunft und ohne Namen. Sie sind verschwunden, ohne dass jemand nach ihnen fragt. Niemand will sie, niemand kümmert sich um sie, niemand nimmt sich ihrer an.

 

Edson 2 de março 2001 IV

Und so leben sie in völligem Allein gelassen-werden, in Angst, Hunger, Gewalt, ihrer menschlichen Würde beraubt, auf den Straßen.

Namenlos wie sie lebten sterben sie und auf dem „Friedhof der Armen“ werden sie „verscharrt“, Kinder, die lebten ohne je gelebt zu haben..

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Fast alle, die ich kannte sind im laufe der Zeit wo ich mit ihnen zusammen lebte umgebracht worden.

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Die Chance auf den Straßen zu überleben ist sehr gering. Darum war immer bemüht schnell zu handeln und alles zu versuchen, sie von diesem Leben zu befreien.

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Der Gebrauch von Drogen wo Marihuana, Crack und Kokain gehört zum Leben auf den Straßen dazu. Die Meisten Menschen, die auf den Straßen leben sind Drogensüchtig und wenn sie der Gewalt auf den Straßen entkommen können sterben sie meistens an den Folgen dieser Sucht.

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Die meisten Kinder auf den Straßen vergreifen sich jedoch an Lösungsmittel und Kleber die sie schnüffeln um ihre Realität von Verlassenheit ,Hunger und Ausweglosigkeit zu vergessen.

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Zwei Töchter, die auf den Straßen leben weil die Mutter Drogen unter den Brücken verkauft. Die Kinder müssen mit, und wenn die Mutter irgendwann umgebracht wird werden sie alleine auf den Straßen leben.

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Die Gewalt gegen die Straßenkinder kannte keine Grenzen: Der Junge auf diesem Bild(mit rotem T-Shirt) wurde vor meinen Augen von einem Polizisten erschossen.

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Im Jahre 1992 habe ich mein Theologiestudium in Recife begonnen. Während des Studium hatte ich die Gelegenheit in Recife Straßenkinder der Hafengebietes kennenzulernen. In verschiedenen Nächten während der Woche nahm ich mir die Zeit diese Gruppen auf den Straßen zu besuchen und deren Realität kennenzulernen.

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In dem extrem gefährlichen Stadtteil waren die meisten Häuser und Gebäude verlassen und die Kinder-banden hausten in halb eingefallenen Lagerhallen versteckten sich in verlassenen Treppenhäusern und warteten auf ahnungslose Touristen, die aus den Schiffen kamen und im Hafengebiet Vergnügung suchten. 

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Zunächst begann ich diese Banden von drogenabhängigen Kindern und Jugendlichen in das Seminar einzuladen, wo sie an jedem Wochenende von mir und einigen Freiwilligen betreut und beschäftigt wurden. Die Polizei freute sich darüber, weil im Hafengebiet wenigstens für diese zwei Tage keine Straßenkinder zu sehen waren.

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Später habe ich eine Gruppe Jugendlicher von den Straßen in meinem Haus, wo ich wohnte untergebracht. Ich habe sie an der Schule angemeldet, und verschiedene Arbeiten besorgt, um ihnen die Möglichkeit zu geben etwas Geld zu verdienen.

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Um die Straßenkinder an das arbeiten zu gewöhnen haben wir verschieden Möglichkeiten gesucht und vom Hotdog verkauf bis zum Marktstand alles durchprobiert. Es war eine interessante Erfahrung und auch mit viel Arbeit verbunden, diesen Kindern zu zeigen, dass man Geld auch mit Arbeiten verdienen kann ohne zu stehlen oder Menschen zu überfallen.  

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Die Arbeit mit diesen Kindern führte mich zu ihren Familien, die meisten in den Elendsvierteln der 4Millionen großen Stadt wohnten. Holzhütten, in denen es nur einen einzigen Raum für die Familie gab waren meisten das einzige, was die Familie hatte.

Darum ist es zu erklären, das so viel Kinder auf den Straßen lebten. Oft war in den Häusern gar kein Platz für alle. Dazu kam noch die meistens zerstörte Familie, die Arbeitslosigkeit und Drogenabhängigkeit der Eltern.

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Die Kinderzahl der Familien, die in den Favelas (Elendsviertel) lebten war erstaunlich hoch. So dass meistens die Familie gar nicht die Mittel aufbringen konnte, die Kinder zu ernähren.

Die mussten dann auf die Straße gehen um zu betteln. 

Müllkippe

In einer Stadt Namens “Arcoverde “ habe ich auch für eine Zeit in einer Einrichtung auf einer Müllkippe gearbeitet. Oft traf ich dort Kinder, die zwischen Schweinen und Hunden in Essensresten herumwühlten, weil ihre Familie nichts zu Essen hatte.

Brüder auf der Müllkippe

Viele Kinder lebten auf den Mülldeponien wo sich die Menschen das beste heraussuchten um aus dem Müll Anderer ihr Leben zu bestreiten.

 

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Im sehr trockenen Innland habe ich oft sehr trostlose Situationen der Kinder vorgefunden. Die völlige Mittellosigkeit der Leute und ganze Landstriche, in denen das halbe Jahr gar nichts wächst stürzen die Menschen in die Lage völliger Hoffnungslosigkeit.

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Unter einer roten Flagge lebt und protestiert hier die Bewegung landloser Bauern um die Agrarreform voranzutreiben. Die Bewegung versuch dadurch den Besitz über diese Länder zu ergreifen, was manchmal mit blutigen Schlachten gegen die Polizei durchgeführt wird.

 

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Es handelt sich in Familien, die in kleinen Hütten im Innland wohnen um Gelände zu besetzen, die meistens Großgrundbesitzern gehören und nicht benutzt werden.

Haus in der Trockenheit

Die völlige Mittellosigkeit der Leute und ganze Landstriche, in denen das halbe Jahr gar nichts wächst stürzen die Menschen in die Lage völliger Hoffnungslosigkeit.

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Trotz völliger Armut wurde ich bei allen Familien, die ich besuchte immer sehr freundlich und herzlich aufgenommen.

Gruppe vor dem Haus I

Im Jahre 1998 habe ich in Recife die erste Einrichtung zur Unterbringung von Kindern eröffnet. Das hier entstandene Kinderheim hatte die Möglichkeit bis zu 30 Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Manche kamen direkt von den Straßen, andere wurden von Jugendämtern zu uns gebracht.

Ein Arbeitsteam von Erziehern, Psychologen und Sozialassistentin sorgte dafür, dass die Kinder bei uns gut erzogen wurden und die Möglichkeit hatten die Schrecken der Straßen zu vergessen.

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Oft bestand das Abendessen nur aus trockenem Brot und Kaffee. Die Hütten hatten meistens kein Wasser und Strom. Abends wurden dann die Petroleumlampen angezündet.

xxBeim Mittagessen

Durch unser herzliches Leben in der Gemeinschaft und die fröhlicher Art die Kinder zu behandeln wurden wir unter den Straßenkindern schnell zum beliebtesten Projekt der Stadt Recifes. Während die staatlichen Einrichtungen meistens schäbige und unfreundliche “Aufbewahrungsorte” für Kinder wahren, konnten wir unseren Kindern ein Leben bieten, dass einer Familie etwas ähnlicher war.

Gruppe II nach der SchuleDSC00313

Die Kinder die bei uns aufgenommen wurden besuchten öffentliche Schule und bekamen Nachhilfestunden im Haus. Kunsthandwerkliche Arbeiten gehörten  zum täglichen Programm um die Kinder zu beschäftigen und deren Fähigkeiten zu entdecken.

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Die Zirkusschule war eine besondere Attraktion für unsere Kinder. Für einige unserer Kinder wurde fast zur festen Anstellung. Sie nahmen an Veranstaltungen teil, organisierten Partys und Geburtstagsfeiern.

DSC00303Unsere Band 2

Unsere Musikgruppe spielte nationale Rhythmen und hatte sogar die Gelegenheit manchmal öffentlich aufzutreten.

Elias GitarrenunterrichtDSC00086

Musik gehörte bei uns einfach zum Leben dazu.

 

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Im Jahre 2004 wurde ich in der Stadt von Penedo, im Bundesstaat von Alagoas in Brasilien zum Priester geweiht. Gleichzeitig bekam ich die Aufgabe mich der Sozialen Projekte der Diözese zu anzunehmen. 

Unsere Arbeit teilte sich daraufhin in verschieden Bereiche auf:

Kinderheim Lar DomingosDSCN4723

Kinderheim Mãe RainhaP1110743

Jugendzenmtrum in RecifeEnsaio Dança 2

Arbeit in der Gemeindecenaculo_craibas_sm

Später habe ich noch zwei Einrichtungen eröffnet und zur bereits bestehenden Arbeit hinzugefügt:

Jugendzentrum Bom Pastor (Guter Hirte)

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Música em Movimento (Musik in Bewegung)

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Auf diese Weise entstand ein Netzwerk von Einrichtungen.

Die Informationen über die Arbeit jeder dieser Einrichtungen kann auf den hier aufgestellten Seiten entnommen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ensaio nas praças 3

Geschichte